Ost und West und der Altersunterschied
- Mrs. Linda
- 28. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Sicher, nach einem viertel Jahrhundert in einem wiedervereinigten Land, kann man wohl kaum noch von Ost und West sprechen. Für die heute Dreißigjährigen ist Ost oder West Geschichte, so wie der zweite Weltkrieg, der für die Großeltern Realität war.
Und wer älter ist als dreißig? Unterscheidet der noch nach Ost und West? Existiert in deren Köpfen immer noch die Mauer?
Ich bin im Osten aufgewachsen. Jahrgang 1971. Als die Mauer fiel, war ich gerade 18 geworden. Mein Leben konnte beginnen in Freiheit. Kindheit war DDR, erwachsen sein wird Gesamtdeutsch.
Die große Liebe fand ich 2009 im Rheinland, 15 Jahre jünger. Klar, dass in unseren Köpfen keine Mauer existiert. Wir sind eine gesamtdeutsche Familie. Im Alltag gibt es weder einen Alters- noch Kulturunterschied.
Als Kinder waren wir beide sportlich aktiv. „Einmal waren wir zu einem Turnier in Leipzig,“ erzählt mein Schatz. „Da waren wir glaub ich zehn.“ „Waas? In Leipzig? Wie seid ihr denn da hingekommen?“ „Na mit dem Bus. Wir sind immer mit dem Bus gefahren.“ Hmm, wir sind immer mit dem Zug gefahren, manchmal hat einer sein Finale verpasst, weil wir zu m Bahnhof mussten. Aber DAS will nicht in meinen Kopf.
Ich sehe da Schlagbäume, grüne Polizisten, die ein komisches Stasideutsch reden um so Recht und Ordnung zu schützen. „„Wieso in Leipzig? Was war das denn für ein Wettkampf?“ „Na ein ganz normaler Wettkampf. Die hatten uns eingeladen. Unser Trainer kam ursprünglich aus Leipzig.“ Jetzt bin ich völlig platt. „Wie konnte der denn Kontakt zu seinem alten Verein aufnehmen?“ „Weiß nicht. Wahrscheinlich hat er angerufen. Weil wir ja auch irgendwo übernachten mussten. Da hat er irgendwas organisiert.“ Ich kapier gar nichts mehr. Angerufen?!! Irgendwas organisiert? Für Wessikinder? In der Messestadt? Irgendwas? Das muss doch ein Hochsicherheitstrakt mit extra weichem Clopapier und solchem Quatsch gewesen sein!
Schmunzelnd über meine Verwirrung sagt mein Schatz, sie hätten bei den Familien aus dem Verein übernachtet. Ich bin mittlerweile so in meiner Verwirrung verknotet, dass ich nichts mehr entgegnen kann. Das muss sich jetzt erst mal auflösen, mit der Zeit wird sich das schon erklären.
Das wird es sofort, als mein immer noch schmunzelndes Gegenüber sagt: “Schaatz, das war 1996!
Deutschland 2016








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