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Geh einen Umweg

  • Autorenbild: Katrin
    Katrin
  • 24. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

"Wenn du es eilig hast, geh einen Umweg," sagt ein chinesisches Sprichwort. Dass Sprichwörter keineswegs immer wörtlich zu nehmen sind, ist wohl bekannt, doch dürfte es uns Menschen in der westlichen Welt, welche von Logik und Rationalität geprägt ist, schwerfallen, eine versteckte Bedeutung im Inhalt zu finden. Besonders, wenn die Aussage paradox, ja geradezu grotesk erscheint. Der Europäer eher von Ironie ausgehen, als nach einer nicht offensichtlichen Bedeutung zu suchen.


Und es macht absolut keinen Sinn, wenn ich schnell von Berlin nach Hamburg will, noch einen Abstecher über Dresden zu machen. Also worum geht es hier?


Eine recht einfach hergeleitete Interpretation besagt, dass man seine Arbeit/ seinen Weg in Ruhe gehen soll, denn durch Hektik entstehen Fehler.

Das klingt modern und macht Sinn und kann (hierzulande) durchaus so stehen bleiben.

Doch dieses Sprichwort ist sehr viel älter, es wird Konfuzius zugeschrieben, der vor 2500 Jahren in China lebte.


Es ist irgendwie schwer vorstellbar, dass man in dieser Zeit zur Langsamkeit aufrufen musste, als es noch keine Maschinen gab, die schneller arbeiten können, als unser Verstand denken kann. Durch überhastetes Handeln sind sicher Unfälle geschehen, aber Fehler, die bei bedachteremTun nicht geschehen wären und zu einem entsprechend positiveren Ergebnis geführt hätten? Vereinzelt vielleicht, aber sehr wahrscheinlich nicht in einem Maße, dass sie im weiteren Arbeitsprozess nicht erkannten korrigiert werden könnten.

Und sicher nicht in einem so bedeutungsvollen Ausmaß, dass ein Sprichwort daraus entsteht, welches zweieinhalb Jahrtausende überdauert.


Die Sichtweise, weniger hektisch an dringende Aufgaben heranzugehen, ist für uns sicher zeitgemäß, doch wer nach einem tieferen Sinn im Leben sucht, dem reicht diese Erklärung nicht aus.



Das Paradoxon


Wenn der Umweg uns schneller ans Ziel bringt, dann fragt man sich vor allem erst einmal, welche Art Weg hier gemeint ist. Nun, ganz bestimmt kein Fahrtweg, doch auch die Arbeit als Objekt betrachtet, reicht nicht aus, um die Macht hinter diesen tausend Jahre alten Worten zu erklären.



Was ist der Weg?


Vielleicht ist mit dem „Weg“ hier der Lebensweg gemeint, der kein bestimmtes, anvisierbares Ziel hat. Wenn der Lebensweg als Lernweg verstanden wird, werden wir am Ende um so mehr gelernt haben, je gründlicher wir alle Ecken und Winkel beleuchtet haben. Denn alles, was außerhalb des geraden Weges liegt, schmückt ihn aus und macht ihn intensiver erfahrbar.


Vielleicht ist es auch die Art und Weise, jemandem bestimmte Informationen näher zu bringen gemeint, solche, die nicht durch konsumierbares Wissen verstanden werden können, sondern vielmehr ein Verstehen voraussetzten, das von Innen kommt.

Es macht keinen Sinn, jemanden von einer neu errungenen Lebensweisheit mit Argumenten überzeugen zu wollen, seien sie noch so treffend. Erzählt man jedoch mit Leidenschaft und vom ersten Schritt, der dorthin geführt hat, ist es sehr wahrscheinlich, das der andere sich selbst auf den Weg macht und seinerseits Erkenntnis sucht.


Sowohl der Weg als auch der Umweg wären so also keine Bürde oder ein Ruf zu mehr Achtsamkeit. Vielmehr geht es darum, möglichst viel vom Leben zu erfahren. Eine Sache wird umso schneller gelernt, wenn schmückendes Beiwerk mir hilft, sie zu verstehen und anzunehmen.



Fazit


Eine Erkenntnis, die nur im Gehirn gespeichert wird, wird nicht von Dauer sein. Um eine wirkliche Erfahrung zu machen ist es notwendig, den Bogen möglichst weit zu spannen, sich in einem großen Radius zu bewegen, so dass Platz für Betrachtungen und Fragen bleibt. Jeder Lernprozess findet nicht außerhalb von uns statt, wir sind ein Teil davon und eine Erfahrung ohne ein Stück der eigenen Persönlichkeit, wird wieder verschwinden, wie im Herbst die Blätter von den Bäumen.








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